Bundesweit nehmen die Übergriffe auf Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter zu. Zum Schutz der Mitarbeitenden hat sich nach DB Regio, Saarbahn und Trans Regio nun auch die Nordwestbahn für den testweisen Einsatz von Body-Cams entschieden.
Nordwestbahn setzt auf Prävention
Vor allem in den Abendstunden und am Wochenende oder bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen kommt es vermehrt zu verbalen und körperlichen Übergriffen auf das Zugpersonal. Grund dafür ist oft erhöhter Alkoholkonsum, aber auch Gruppenbildung und Fahrgäste ohne Fahrschein, die aggressiv reagieren. Nach einem deutlichen Anstieg von 50-60 Angriffen im Regio-S-Bahn-Netz Bremen/Niedersachsen auf 210 im Jahr 2022 hat sich die Nordwestbahn zum Handeln entschlossen. Deshalb stattet die Nordwestbahn ab sofort 10 Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter auf 6 Linien testweise mit Body-Cams von NetCo aus, die die Kameras täglich ab 19 Uhr tragen werden.
Laut Benjamin Havermann, Leiter Kommunikation bei der Nordwestbahn, sind die bisherigen Erfahrungen positiv. Die Body-Cam wirke deeskalierend auf die Fahrgäste und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien bisher nicht in kritische Situationen geraten. So sei es auch noch nicht zu einer Aufzeichnung durch die Kamera gekommen. „Sich selbst [auf dem Bildschirm der Body-Cam] zu sehen, schreckt die allermeisten ab“, sagt Kristian Loroch von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).
Nordwestbahn
Erfahren Sie hier noch mehr zum Einsatz von Body-Cams bei der Nordwestbahn!
Body-Cams entschärfen kritische Situationen
Die deeskalierende Wirkung der Kameras unterstreicht auch eine DB-Sprecherin: „Im Ergebnis werden Sicherheitskräfte mit Body-Cam quasi nicht angegriffen”. Die DB Sicherheit hat ihre Sicherheitskräfte an den größten deutschen Bahnhöfen bereits mit Kameras ausgestattet, auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bremen werden demnächst mit Kameras im Bahnhof zu sehen sein. Und die EVG fordert bundesweit noch mehr Sicherheitsmaßnahmen für die Bahnbeschäftigten, darunter – so Janina Pfeiffer, EVG-Vorsitzende in Sachsen-Anhalt – Doppelbesetzungen in den Zügen, Deeskalationstrainings und Body-Cams. Vor allem die Kameras sollen viel früher eingesetzt werden, um Übergriffe auf das Zugpersonal zu verhindern. Denn nach Angaben der Deutschen Bahn ist die Zahl der Übergriffe im Jahr 2022 bundesweit um 21 Prozent auf 3.138 Fälle gestiegen.
Neben dem positiven Deeskalationseffekt stärken Body-Cams auch das allgemeine Sicherheitsgefühl des Zugpersonals im Arbeitsalltag und – sollte es dennoch zu einem Vorfall kommen – zeichnen sie wichtige Beweise für die Verfolgung der Straftat auf. Daher ist die Body-Cam bei immer mehr Verkehrs- und Sicherheitsunternehmen ein wichtiger Bestandteil des Sicherheitskonzeptes. Neben der Deutschen Bahn und ihren Verbundpartnern erhöhen auch die Ordnungsämter in Nordrhein-Westfalen (Begeisterung über Body-Cams bei den NRW-Ordnungsämtern (netco.de)) kontinuierlich die Anzahl der eingesetzten Body-Cams. Ab Februar 2024 haben nun auch bei der VBG versicherte Sicherheitsunternehmen die Möglichkeit, eine Förderung für die Anschaffung von Body-Cams zu erhalten (siehe Prämienverfahren).
Weitere Referenzen:
Deutsche Bahn
Erfahren Sie hier mehr zum Einsatz von Body-Cams bei Sicherheitskräften der deutschen Bahn AG!
Saarbahn
Erhalten Sie hier mehr Informationen zu dem Einsatz bei der Saarbahn!

