Inhaltsverzeichnis
- Bodycam-Nutzung bei kommunalen Ordnungsdiensten: Lohnt sich die Investition?
- Key Takeaways
- Gewalt gegen Einsatzkräfte: Warum Kommunen handeln müssen
- Von der Polizei lernen: Bodycams als bewährtes Einsatzmittel
- Bodycam Kosten-Nutzen-Verhältnis: Prävention zahlt sich aus
- Der Nutzen: Deeskalation und Beweissicherung
- Die Kosten: Transparente Kalkulation für Kämmerer
- Bodycam im Ordnungsamt: Technik und rechtliche Anforderungen
- Pre-Recording-Funktion
- Rechtliche Voraussetzungen
- Technische Merkmale moderner Bodycams
- Kommunen in NRW: Erfolgreiche Bodycam-Projekte im Überblick
- Hintergrund: Gewalt gegen Ordnungskräfte in Zahlen
- Fazit: Bodycams als sinnvolle Investition in die kommunale Sicherheit
Bodycam-Nutzung bei kommunalen Ordnungsdiensten: Lohnt sich die Investition?
Key Takeaways
- ✓ Deeskalierende Wirkung: Studien und Erfahrungsberichte aus zahlreichen deutschen Kommunen zeigen, dass allein die sichtbare Präsenz einer Bodycam Konflikte entschärfen kann.
- ✓ Kalkulierbare Kostenstruktur: Neben der Anschaffung sind Datenspeicherung, Software-Lizenzen und Schulungen in der Budgetplanung zu berücksichtigen.
- ✓ Rechtssicherheit: Der Einsatz unterliegt klaren datenschutzrechtlichen Vorgaben. Moderne Systeme erfüllen die Anforderungen der DSGVO.
- ✓ Kommunaler Einsatz: Immer mehr Städte und Kommunen in NRW und bundesweit statten ihre Ordnungsdienste mit Bodycams aus – mit überwiegend positiven Erfahrungen.
Gewalt gegen Einsatzkräfte: Warum Kommunen handeln müssen
Gewalt gegen Einsatzkräfte hat in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und einen neuen Höchststand erreicht. Nach dem aktuellen Bundeslagebild des Bundeskriminalamtes wurden im Jahr 2024 insgesamt 46.367 Gewalttaten gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte registriert. Im Vergleich zu 2015 entspricht dies einem Anstieg von 38,5 Prozent. Die Zahlen verdeutlichen, dass Übergriffe längst kein Randphänomen mehr sind, sondern regelmäßig im Einsatzalltag auftreten.
Diese Entwicklung betrifft nicht ausschließlich die Polizei. Auch kommunale Ordnungsdienste und Vollzugskräfte sind zunehmend von verbalen Bedrohungen, Beleidigungen und körperlichen Angriffen betroffen. Mitarbeitende der Ordnungsämter übernehmen Aufgaben wie Verkehrsüberwachung, Kontrolle von Parkverstößen, Ahndung von Ruhestörungen oder die Schlichtung von Konflikten im öffentlichen Raum. Dabei handeln sie häufig ohne die sichtbare Autorität einer Polizeiuniform und sind dadurch in besonderem Maße Eskalationsrisiken ausgesetzt.
Gerade im kommunalen Kontext entstehen Konfliktsituationen oft spontan und in emotional aufgeladenen Momenten. Alkohol, Gruppendynamiken oder Frustration über ordnungsrechtliche Maßnahmen erhöhen die Wahrscheinlichkeit aggressiven Verhaltens. Für Städte und Gemeinden stellt sich daher zunehmend die Frage, wie ihre Mitarbeitenden wirksam geschützt werden können, ohne gleichzeitig das Vertrauen der Bevölkerung zu beeinträchtigen.
Vor diesem Hintergrund rückt die Bodycam als präventives Einsatzmittel in den Fokus kommunaler Sicherheitskonzepte. Ziel ist es nicht, flächendeckend zu überwachen, sondern frühzeitig zu deeskalieren, Transparenz zu schaffen und Einsatzkräfte vor Übergriffen sowie unbegründeten Vorwürfen zu schützen. Die zunehmende Gewaltbelastung macht deutlich, dass Kommunen handeln müssen, um die Sicherheit ihrer Beschäftigten im öffentlichen Raum nachhaltig zu verbessern.
Von der Polizei lernen: Bodycams als bewährtes Einsatzmittel
Die Polizei in Deutschland setzt Bodycams bereits seit mehreren Jahren erfolgreich ein. Auch die Deutsche Bahn hat ihre Sicherheitskräfte frühzeitig mit dieser Technik ausgestattet. Die Erfahrungen sind eindeutig: Die sichtbare Kamera wirkt präventiv und deeskalierend.
Kommunale Ordnungsdienste ziehen zunehmend nach. In Nordrhein-Westfalen haben zahlreiche Städte Bodycams für ihre Ordnungskräfte eingeführt und berichten übereinstimmend von positiven Effekten.
Die Stadt Krefeld hat Mitarbeitende des Kommunalen Ordnungsdienstes mit Bodycams ausgestattet. Grundlage waren die positiven Erfahrungen der Polizei vor Ort.
Bodycam Kosten-Nutzen-Verhältnis: Prävention zahlt sich aus
Der Nutzen: Deeskalation und Beweissicherung
Der größte Mehrwert des Bodycam-Einsatzes liegt in seiner deeskalierenden Wirkung. Der Hinweis „Ich schalte jetzt die Kamera ein” führt in vielen Fällen zu einer unmittelbaren Beruhigung der Situation. Das Bewusstsein, aufgezeichnet zu werden, senkt die Hemmschwelle für aggressives Verhalten deutlich.
Seit 2024 setzt das Kölner Ordnungsamt Bodycams in der Innenstadt ein. Angesprochene Personen reagieren spürbar ruhiger, sobald die Kamera aktiviert wird.
Nach einer Testphase wurden rund 30 Außendienstkräfte mit Bodycams ausgestattet.
„Durch die Anschaffung der Bodycams versprechen wir uns eine zusätzliche Maßnahme, um verbalen und körperlichen Angriffen gegen unsere Mitarbeitenden präventiv zu begegnen.”
Steffen Franzkowski, Fachbereichsleiter
„Bisher ist das Feedback unserer Einsatzkräfte im täglichen Umgang mit den Kameras durchweg positiv.”
Frank van Staa, Bürger- und Ordnungsamt Duisburg
Die Kosten: Transparente Kalkulation für Kämmerer
Ein einzelnes Bodycam-System kostet je nach Modell zwischen 400 und 900 Euro. Für eine realistische Budgetplanung sollten weitere Kostenfaktoren berücksichtigt werden:
| Kostenfaktor | Größenordnung | Hinweis |
|---|---|---|
| Hardware (Anschaffung) | 900–1.500 € | Kamera, SmartHubs, Halterungen, Akkus |
| Software & Lizenzen | 150–300 € / Jahr | Verwaltung, Verschlüsselung, Updates |
| Speicher & Server | variabel | Cloud- oder On-Premise-Lösung |
| Schulung | ca. 200 € / MA | Technik und rechtliche Grundlagen |
Neben dem Kauf bieten viele Anbieter auch Miet- oder Leasingmodelle an, die eine flexible Haushaltsplanung ermöglichen.
Nach einer zwölfmonatigen Pilotphase wurden 30 Bodycams dauerhaft eingeführt.
Bodycam im Ordnungsamt: Technik und rechtliche Anforderungen
Pre-Recording-Funktion
Bodycams zeichnen nicht dauerhaft auf. Moderne Systeme verfügen über eine Pre-Recording-Funktion, die vor Aktivierung die letzten 10 bis 120 Sekunden speichert, um den Beginn einer Eskalation zu dokumentieren.
Rechtliche Voraussetzungen
Die Kamera darf nur eingeschaltet werden, wenn eine konkrete Gefahr für Leib und Leben besteht oder eine Straftat droht. Für die Aufnahmen gelten klare Löschfristen und Zweckbindungen, etwa zur Beweissicherung oder für Strafverfahren.
Technische Merkmale moderner Bodycams
- ✓ Front-Display mit Spiegelfunktion zur Förderung der Deeskalation
- ✓ Intuitive Bedienung auch in Stresssituationen
- ✓ Robustes Gehäuse für den Außendienst
- ✓ Lange Akkulaufzeit für den Schichtbetrieb
Kommunen in NRW: Erfolgreiche Bodycam-Projekte im Überblick
| Kommune | Einsatzbeginn | Einsatzbereich |
|---|---|---|
| Köln | 2024 | Innenstadt und Außenbezirke |
| Duisburg | 2022 | Bürger- und Ordnungsamt |
| Hamm | 2023 | Kommunaler Ordnungsdienst |
| Leverkusen | 2024 | Stadtordnungsdienst |
| Münster | 2023 | Kreisordnungsdienst |
| Krefeld | 2023 | Kommunaler Ordnungsdienst |
| Bochum | 2023 | Prävention |
| Moers | 2023 | Verkehrsüberwachung |
| Witten | 2023 | Außendienst |
| Herne | 2023 | Pilotprojekt |
| Siegburg | 2023 | Praxistest |
Hintergrund: Gewalt gegen Ordnungskräfte in Zahlen
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Gewalttaten gegen Polizeibeamte 2024 | 46.367 | BKA |
| Anstieg seit 2015 | +38,5 % | BKA |
| Betroffene Einsatzkräfte 2024 | 111.496 | BMI |
| Amtsträger von Hass und Hetze betroffen | 34 % | KoMo |
| Anteil Großstädte an Gewalttaten | 31,1 % | BKA |
Fazit: Bodycams als sinnvolle Investition in die kommunale Sicherheit
Die Erfahrungen aus nordrhein-westfälischen Kommunen zeigen eindeutig: Bodycams bieten einen messbaren Mehrwert für kommunale Ordnungsdienste. Sie wirken deeskalierend, schützen Mitarbeitende vor Übergriffen und ermöglichen eine rechtssichere Beweissicherung.
Die Kosten sind transparent kalkulierbar, Pilotprojekte reduzieren Investitionsrisiken und flexible Beschaffungsmodelle erleichtern die Einführung. Angesichts zunehmender Gewalt im öffentlichen Raum sind Bodycams ein zeitgemäßes und professionelles Einsatzmittel für Kommunen.