Inhaltsverzeichnis

Bodycam-Nutzung bei kommunalen Ordnungsdiensten: Lohnt sich die Investition?

Key Takeaways

  • ✓ Deeskalierende Wirkung: Studien und Erfahrungsberichte aus zahlreichen deutschen Kommunen zeigen, dass allein die sichtbare Präsenz einer Bodycam Konflikte entschärfen kann.
  • ✓ Kalkulierbare Kostenstruktur: Neben der Anschaffung sind Datenspeicherung, Software-Lizenzen und Schulungen in der Budgetplanung zu berücksichtigen.
  • ✓ Rechtssicherheit: Der Einsatz unterliegt klaren datenschutzrechtlichen Vorgaben. Moderne Systeme erfüllen die Anforderungen der DSGVO.
  • ✓ Kommunaler Einsatz: Immer mehr Städte und Kommunen in NRW und bundesweit statten ihre Ordnungsdienste mit Bodycams aus – mit überwiegend positiven Erfahrungen.

Gewalt gegen Einsatzkräfte: Warum Kommunen handeln müssen

Gewalt gegen Einsatzkräfte hat in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und einen neuen Höchststand erreicht. Nach dem aktuellen Bundeslagebild des Bundeskriminalamtes wurden im Jahr 2024 insgesamt 46.367 Gewalttaten gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte registriert. Im Vergleich zu 2015 entspricht dies einem Anstieg von 38,5 Prozent. Die Zahlen verdeutlichen, dass Übergriffe längst kein Randphänomen mehr sind, sondern regelmäßig im Einsatzalltag auftreten.

Diese Entwicklung betrifft nicht ausschließlich die Polizei. Auch kommunale Ordnungsdienste und Vollzugskräfte sind zunehmend von verbalen Bedrohungen, Beleidigungen und körperlichen Angriffen betroffen. Mitarbeitende der Ordnungsämter übernehmen Aufgaben wie Verkehrsüberwachung, Kontrolle von Parkverstößen, Ahndung von Ruhestörungen oder die Schlichtung von Konflikten im öffentlichen Raum. Dabei handeln sie häufig ohne die sichtbare Autorität einer Polizeiuniform und sind dadurch in besonderem Maße Eskalationsrisiken ausgesetzt.

Gerade im kommunalen Kontext entstehen Konfliktsituationen oft spontan und in emotional aufgeladenen Momenten. Alkohol, Gruppendynamiken oder Frustration über ordnungsrechtliche Maßnahmen erhöhen die Wahrscheinlichkeit aggressiven Verhaltens. Für Städte und Gemeinden stellt sich daher zunehmend die Frage, wie ihre Mitarbeitenden wirksam geschützt werden können, ohne gleichzeitig das Vertrauen der Bevölkerung zu beeinträchtigen.

Vor diesem Hintergrund rückt die Bodycam als präventives Einsatzmittel in den Fokus kommunaler Sicherheitskonzepte. Ziel ist es nicht, flächendeckend zu überwachen, sondern frühzeitig zu deeskalieren, Transparenz zu schaffen und Einsatzkräfte vor Übergriffen sowie unbegründeten Vorwürfen zu schützen. Die zunehmende Gewaltbelastung macht deutlich, dass Kommunen handeln müssen, um die Sicherheit ihrer Beschäftigten im öffentlichen Raum nachhaltig zu verbessern.

Von der Polizei lernen: Bodycams als bewährtes Einsatzmittel

Die Polizei in Deutschland setzt Bodycams bereits seit mehreren Jahren erfolgreich ein. Auch die Deutsche Bahn hat ihre Sicherheitskräfte frühzeitig mit dieser Technik ausgestattet. Die Erfahrungen sind eindeutig: Die sichtbare Kamera wirkt präventiv und deeskalierend.

Kommunale Ordnungsdienste ziehen zunehmend nach. In Nordrhein-Westfalen haben zahlreiche Städte Bodycams für ihre Ordnungskräfte eingeführt und berichten übereinstimmend von positiven Effekten.

Die Stadt Krefeld hat Mitarbeitende des Kommunalen Ordnungsdienstes mit Bodycams ausgestattet. Grundlage waren die positiven Erfahrungen der Polizei vor Ort.

Bodycam Kosten-Nutzen-Verhältnis: Prävention zahlt sich aus

Der Nutzen: Deeskalation und Beweissicherung

Der größte Mehrwert des Bodycam-Einsatzes liegt in seiner deeskalierenden Wirkung. Der Hinweis „Ich schalte jetzt die Kamera ein” führt in vielen Fällen zu einer unmittelbaren Beruhigung der Situation. Das Bewusstsein, aufgezeichnet zu werden, senkt die Hemmschwelle für aggressives Verhalten deutlich.

Seit 2024 setzt das Kölner Ordnungsamt Bodycams in der Innenstadt ein. Angesprochene Personen reagieren spürbar ruhiger, sobald die Kamera aktiviert wird.

Nach einer Testphase wurden rund 30 Außendienstkräfte mit Bodycams ausgestattet.

„Durch die Anschaffung der Bodycams versprechen wir uns eine zusätzliche Maßnahme, um verbalen und körperlichen Angriffen gegen unsere Mitarbeitenden präventiv zu begegnen.”

Steffen Franzkowski, Fachbereichsleiter

„Bisher ist das Feedback unserer Einsatzkräfte im täglichen Umgang mit den Kameras durchweg positiv.”

Frank van Staa, Bürger- und Ordnungsamt Duisburg

Die Kosten: Transparente Kalkulation für Kämmerer

Ein einzelnes Bodycam-System kostet je nach Modell zwischen 400 und 900 Euro. Für eine realistische Budgetplanung sollten weitere Kostenfaktoren berücksichtigt werden:

KostenfaktorGrößenordnungHinweis
Hardware (Anschaffung)900–1.500 €Kamera, SmartHubs, Halterungen, Akkus
Software & Lizenzen150–300 € / JahrVerwaltung, Verschlüsselung, Updates
Speicher & ServervariabelCloud- oder On-Premise-Lösung
Schulungca. 200 € / MATechnik und rechtliche Grundlagen

Neben dem Kauf bieten viele Anbieter auch Miet- oder Leasingmodelle an, die eine flexible Haushaltsplanung ermöglichen.

Nach einer zwölfmonatigen Pilotphase wurden 30 Bodycams dauerhaft eingeführt.

Bodycam im Ordnungsamt: Technik und rechtliche Anforderungen

Pre-Recording-Funktion

Bodycams zeichnen nicht dauerhaft auf. Moderne Systeme verfügen über eine Pre-Recording-Funktion, die vor Aktivierung die letzten 10 bis 120 Sekunden speichert, um den Beginn einer Eskalation zu dokumentieren.

Rechtliche Voraussetzungen

Die Kamera darf nur eingeschaltet werden, wenn eine konkrete Gefahr für Leib und Leben besteht oder eine Straftat droht. Für die Aufnahmen gelten klare Löschfristen und Zweckbindungen, etwa zur Beweissicherung oder für Strafverfahren.

Technische Merkmale moderner Bodycams

  • ✓ Front-Display mit Spiegelfunktion zur Förderung der Deeskalation
  • ✓ Intuitive Bedienung auch in Stresssituationen
  • ✓ Robustes Gehäuse für den Außendienst
  • ✓ Lange Akkulaufzeit für den Schichtbetrieb

Kommunen in NRW: Erfolgreiche Bodycam-Projekte im Überblick

KommuneEinsatzbeginnEinsatzbereich
Köln2024Innenstadt und Außenbezirke
Duisburg2022Bürger- und Ordnungsamt
Hamm2023Kommunaler Ordnungsdienst
Leverkusen2024Stadtordnungsdienst
Münster2023Kreisordnungsdienst
Krefeld2023Kommunaler Ordnungsdienst
Bochum2023Prävention
Moers2023Verkehrsüberwachung
Witten2023Außendienst
Herne2023Pilotprojekt
Siegburg2023Praxistest

Hintergrund: Gewalt gegen Ordnungskräfte in Zahlen

KennzahlWertQuelle
Gewalttaten gegen Polizeibeamte 202446.367BKA
Anstieg seit 2015+38,5 %BKA
Betroffene Einsatzkräfte 2024111.496BMI
Amtsträger von Hass und Hetze betroffen34 %KoMo
Anteil Großstädte an Gewalttaten31,1 %BKA

Fazit: Bodycams als sinnvolle Investition in die kommunale Sicherheit

Die Erfahrungen aus nordrhein-westfälischen Kommunen zeigen eindeutig: Bodycams bieten einen messbaren Mehrwert für kommunale Ordnungsdienste. Sie wirken deeskalierend, schützen Mitarbeitende vor Übergriffen und ermöglichen eine rechtssichere Beweissicherung.

Die Kosten sind transparent kalkulierbar, Pilotprojekte reduzieren Investitionsrisiken und flexible Beschaffungsmodelle erleichtern die Einführung. Angesichts zunehmender Gewalt im öffentlichen Raum sind Bodycams ein zeitgemäßes und professionelles Einsatzmittel für Kommunen.