Die Securityberatung Consulting Plus ist seit Jahren ein wichtiger Anlaufpunkt für die Sicherheitsbranche. In diesem Interview erfahren Sie von dem geschäftsführenden Gesellschafter Stefan Bisanz mehr über den Einsatz von und die Arbeit mit Body-Cams
In welchen Bereichen der Sicherheitswirtschaft sehen Sie Vorteile für den Einsatz einer Body-Cam?
Ich sehe für den Einsatz einer Body-Cam überall dort Möglichkeiten, wo Publikum ist. Ich kann mir Body-Cams zum Beispiel gut in Schwimmbädern vorstellen, passend zur aktuellen Diskussion momentan. Durch die Kameras entsteht eine Hemmschwelle, insbesondere dann, wenn der Aggressor dem Sicherheitspersonal gegenübersteht und sich im Display der Kamera sogar selbst sieht. Es gibt auch Body-Cams ohne Bildschirm, aber ich persönlich finde die Kameras mit Display besser.
Zudem könnte ich mir den Body-Cam Einsatz auch in Kinos, bei Events oder Konzerten vorstellen. Wenn es dort Ärger gibt, muss das Sicherheitspersonal vor Ort mit den Betroffenen reden. Dabei können Body-Cams helfen. Natürlich muss die Verwendung der Body-Cam aus datenschutzrechtlichen Gründen vorher angekündigt werden, man darf nicht pauschal 24 Stunden am Stück filmen. Das Tragen der Kamera muss auch gekennzeichnet werden, sodass es jeder sehen kann. Wenn eine Situation dann weiter eskaliert und die Kamera eingeschaltet wird, sieht sich der Aggressor im Display und das stellt eine Schwelle gegen eine weitere Eskalation dar.
Body-Cams sind eine tolle Sache, denn wenn doch etwas passiert, lügen die Bilder der Kamera nicht. Die Kameras sind außerdem so konzipiert, dass Mitarbeiter den Teil, in dem sie sich falsch verhalten haben, nicht weglöschen können. Alles wird vollständig und verschlüsselt an die Polizei oder andere Strafverfolgungsbehörden gesendet, die entsprechend den Fall aufklären.
Als erfahrener Sicherheitsberater haben Sie viel mit Sicherheitskonzepten zu tun. Wie lassen sich Body-Cams in bestehende Sicherheitskonzepte integrieren?
Wenn wir das Beispiel Konzert nehmen, haben wir in der Konzeption feste Punkte, die zu besetzen sind. Es gibt hier z. B. die Eintrittskontrolle oder die Belegung von Notfalltoren. Oftmals hat man in den modernen Konzepten auch kleine Eingriffstruppen oder freie Streifen ohne festen Auftrag, die, wenn es irgendwo Probleme gibt, z. B. vor der Toilette, beim Imbisswagen oder beim Bier holen, entsprechend eingesetzt werden und punktuell zum Ort des Ereignisses gehen. Aus meiner Sicht sind Body-Cams hierfür super geeignet, da Situationen direkt vor Ort aufgenommen werden können, natürlich vorher wieder mit dem Hinweis, dass eine Kamera getragen und auch angeschaltet wird. Man kann Body-Cams auch gut in jedes Stadtfest integrieren und ich kann jedem nur empfehlen, besser eine Kamera mehr als eine zu wenig einzusetzen.

Welche Maßnahmen sind nötig, um Herausforderungen wie den Datenschutz zu überwinden?
Bedenken bzgl. des Datenschutzes sehe ich nicht, grundsätzlich ist der Einsatz von Body-Cams ja erlaubt. Natürlich ist das ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Menschen, der aufgenommen wird, und da muss man auch drauf achten. Aber wenn es eine Rechtfertigung gibt, dieses Persönlichkeitsrecht einzuschränken, dann ist die Verwendung der Kameras unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Eine Situation muss sich im Rahmen einer potenziellen Straftat bewegen und das liegt vor, wenn Menschen sich aggressiv verhalten oder sich ggf. bewaffnet haben. Der Body-Cam Träger muss, wie bereits erwähnt, die Verwendung der Body-Cam kennzeichnen und ansagen, die Datenübertragung muss verschlüsselt und manipulationssicher ablaufen und nur Berechtigte dürfen – wie bei einem Blackbox Verfahren im Flugzeug – mit einer Rechtsbegründung Zugriff auf die Daten haben. Unter diesen Voraussetzungen ist der Einsatz der Kameras machbar. Die Produkte geben diese Vorgehensweise aus datenschutzrechtlichen Gründen auch vor, der Sicherheitsmann muss eigentlich nur noch auf die Kamera hinweisen und den Knopf zur Aufnahme und danach die Stopp-Taste drücken.
Wie könnten Body-Cams dabei helfen, proaktiv auf Situationen zu reagieren und Gefahren frühzeitig zu erkennen?
Aus meinen jetzigen Erfahrungen hat die Body-Cam auf Aggressoren die Wirkung, dass es genügt, dass der Aggressor die Kamera sieht und sich selbst auch noch im Display spiegelt. Dadurch kann man viele konfliktreiche Ereignisse stoppen, bevor sie eintreten. Das ist die größte Prävention, die wir erreichen können. Die Body-Cam ist also eine super Erfindung, insbesondere, dass sich Aggressoren selbst auf dem Bildschirm sehen, denn das trickst die Psyche des Menschen aus – auf einmal ist nicht mehr mein Gegenüber der Gegner, sondern ich selbst, weil ich mich sehe, vielleicht auch mit einem Gesichtsausdruck, den ich so von mir ja gar nicht kenne. Die Body-Cam ist wie ein Spiegel. Deshalb glaube ich, dass sich der ein oder andere über sich selbst erschreckt. Und wenn der Aggressor noch nachdenken kann – je nachdem, was er sich eingeworfen oder schon getrunken hat – begreift er, dass das, was er gerade sieht, nun aufgenommen wird. Und diese Schockwirkung hilft der bei Prävention einer Straftat.
Welche Punkte dürfen in einer Body-Cam Schulung für das Sicherheitspersonal nicht fehlen?
Die Body-Cam als Einsatzmittel erfordert natürlich, dass der Mitarbeiter daran ausgebildet wird. Die Standardausbildung beträgt, so wie ich das überschauen kann, einen Tag. An diesem Tag werden die Bedienung und die Technik des Geräts sowie spezielle Situationen wie ein Einsatz im öffentlichen Nahverkehr, eine Fahrkartenkontrolle im Bus beispielsweise, geschult. Der Mitarbeiter muss wissen, wie er mit dem Gegenüber umgeht, wie er die Person anspricht und wie er darauf aufmerksam macht, dass er eine Kamera bei sich trägt. Zudem muss der Mitarbeiter trainieren, wann der Punkt gekommen ist, dass das Gegenüber genügend aggressiv ist, sodass die Aufnahme der Kamera starten kann. Ein weiterer großer Punkt der Schulung sind rechtliche Rahmenbedingungen und der Datenschutz. All diese Dinge muss der Mitarbeiter im Umgang mit dem Gegenüber einbauen, was trainiert werden muss. Ein alter Spruch im Einsatz besagt „Du kannst nur das, was du in Friedenszeiten trainiert hast“.
Zur Person:
Stefan Bisanz ist Mitgründer und Geschäftsführender Gesellschafter der consulting plus Holding GmbH, die sich auf Sicherheitsberatung und -management sowie Personenschutz, Veranstaltungsschutz, Objektschutz und Sicherheitstechnik spezialisiert hat. Er ist seit 40 Jahren in der Sicherheitsbranche tätig – 15 Jahre bei der Militärpolizei der Bundeswehr und im Verteidigungsministerium und seit 25 Jahren in der freien Wirtschaft. Zu seinen Schwerpunktthemen im Rahmen der privaten Sicherheit gehören u. a. Sicherheits- und Personenschutzanalysen sowie die Implementierung und Revision operativer Personenschutzeinsätze.