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Bodycam Akku: Warum Qualitätssicherung über Sicherheit entscheidet

Aufgeblähte Akkumulatoren, Rückrufaktionen, Brandgefahr: Wegen Akkuproblemen sorgen Körperkameras aktuell für Schlagzeilen. Die Polizeien in NRW, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt mussten bereits Geräte aus dem Dienst nehmen. Doch was steckt hinter den Problemen – und wie lassen sich ähnliche Probleme vermeiden?

Wenn Einsatzkräfte morgens ihre Körperkamera anlegen, denken sie vermutlich nicht über Batterietechnologie nach. Sie verlassen sich darauf, dass das Gerät funktioniert – stundenlang, bei jedem Wetter, in stressigen Situationen. Die kleine Kamera soll Einsätze dokumentieren und als Beweismittel dienen. Doch genau diese Selbstverständlichkeit ist das Ergebnis komplexer technischer Prozesse, die lange vor dem ersten Einsatz beginnen.

In diesem Beitrag erklären wir, warum ein Akkumulator problematisch werden kann, welche Warnsignale auf Verschleiß hindeuten und wie sich durch konsequente Qualitätssicherung Risiken vermeiden lassen.


Wegen Akkuproblemen: Körperkameras außer Dienst

Die jüngsten Vorfälle haben das Thema in den Fokus gerückt: In mehreren Bundesländern wurden Geräte wegen Akkuproblemen eingezogen. Besonders betroffen war die Polizei in NRW und die Polizei in Baden-Württemberg. Auch in Sachsen-Anhalt mussten zuletzt Körperkameras aus dem Verkehr gezogen werden – ähnliche Probleme wie in anderen Regionen.

Ein sichtbares Warnsignal: In mehreren Fällen blähen sich bei den betroffenen Akkus die Zellen auf. Dadurch entsteht ein Spalt zwischen Kamera und Trägerplatte. Dieser kleine Spalt zeigt, dass der Akkumulator beeinträchtigt oder defekt ist und sukzessive ausgetauscht werden muss.

Die Probleme mit Körperkameras sind dabei kein Einzelfall. Dieselbe Technologie sorgt auch bei Smartphones, E-Bikes und Laptops immer wieder für Schlagzeilen. Die Ursachen sind oft identisch: Produktionsfehler, Materialermüdung oder thermischer Verschleiß.


Wie funktioniert der Akkumulator in einer Körperkamera?

Die meisten Körperkameras verwenden Lithium-Polymer- oder Lithium-Ionen-Akkumulatoren. Diese Typen bieten eine hohe Energiedichte: Sie speichern viel Energie bei geringem Gewicht – ideal für ein Gerät, das den ganzen Tag am Körper getragen wird.

Das Funktionsprinzip: Beim Entladen wandern Lithium-Ionen von der negativen Elektrode (Anode) durch einen Elektrolyten zur positiven Elektrode (Kathode). Beim Laden kehrt sich der Prozess um. Zwischen den Elektroden liegt eine hauchdünne Trennschicht, der sogenannte Separator. Er verhindert, dass die Elektroden sich berühren – denn das wäre ein Kurzschluss.

Genau hier liegt das Risiko: Die hohe Energiedichte, die den Akkumulator so leistungsstark macht, wird zur Gefahr, wenn der Separator durch Verschleiß oder Defekte beschädigt ist.


Warum blähen sich Akkumulatoren auf?

Ein defekter oder auffälliger Akkumulator durchläuft typischerweise mehrere Phasen:

Phase 1: Innere Schädigung durch Verschleiß

Produktionsfehler, mechanische Beschädigungen oder natürlicher Verschleiß der Akkumulatoren können dazu führen, dass der Separator beschädigt wird. Auch Dendrite (metallische Ablagerungen) können wachsen. Diese Defekte sind von außen meist nicht sichtbar – die Zelle erscheint noch nicht auffällig.

Phase 2: Betroffene Akkus blähen sich auf

Durch chemische Reaktionen im Inneren entstehen Gase. Die betroffenen Akkus blähen sich häufig auf – ein deutliches Warnsignal. Bei Körperkameras äußert sich das dadurch, dass ein kleiner Spalt zwischen Kamera und Trägerplatte entsteht. Das Gerät passt nicht mehr richtig in die Halterung.

Phase 3: Thermisches Durchgehen (Thermal Runaway)

Kommt es in solchen Fällen zu einem inneren Kurzschluss, erwärmt sich die Zelle schnell. Ab einer kritischen Temperatur setzt eine Kettenreaktion ein. Der Akkumulator kann schmelzen, in Brand geraten oder im Extremfall explodieren. Schadensbilder zeigen, wie gefährlich dieser Prozess werden kann.


Ähnliche Probleme: Nicht nur bei Körperkameras

Die Vorfälle reihen sich in eine lange Liste ein:

  • ✓ Samsung Galaxy Note 7 (2016): Wegen Akkuproblemen musste Samsung Millionen Geräte zurückrufen. Der Schaden: mehrere Milliarden Euro und ein massiver Reputationsverlust.
  • ✓ E-Bike-Akkumulatoren: Immer wieder verursachen defekte Pedelec-Batterien Garagenbrände. Feuerwehren warnen davor, E-Bikes unbeaufsichtigt zu laden.
  • ✓ Laptops und Tablets: HP, Dell, Apple – praktisch jeder große Hersteller hatte bereits Rückrufe wegen auffälligen Akkumulatoren.
  • ✓ Körperkameras in Deutschland: Die Polizei in NRW, in Baden-Württemberg und in Sachsen-Anhalt meldeten ähnliche Probleme mit aufgeblähten Zellen.

Worauf sollten Beschaffer bei Körperkameras achten?

Für Behörden und Unternehmen, die Geräte beschaffen, lohnt sich ein genauer Blick. Folgende Fragen helfen, Probleme zu vermeiden:

1. Welche Prüfprozesse durchläuft der Akkumulator?

Eine einfache Sichtprüfung reicht nicht aus, um innere Defekte oder beginnenden Verschleiß zu erkennen. Seriöse Hersteller setzen auf mehrstufige Qualitätskontrollen: beim Zulieferer, beim Wareneingang und vor dem Einbau. Je mehr Prüfstationen, desto geringer das Risiko.

2. Gibt es ein aktives Batteriemanagement?

Moderne Körperkameras sollten über eine integrierte Elektronik verfügen, die Ladestrom, Spannung und Temperatur kontinuierlich überwacht. Ein gutes Batteriemanagementsystem (BMS) erkennt auffällige Werte frühzeitig und kann den Ladevorgang unterbrechen.

3. Wie wird Verschleiß erkannt und dokumentiert?

4. Ist die Körperkamera für den Dauereinsatz geeignet?

Nicht jede kleine Kamera ist für den professionellen Einsatz geeignet. Achten Sie darauf, ob das Gerät für den Dauerbetrieb konzipiert ist und ob die Aufnahmen als Beweismittel vor Gericht verwertbar sind.


Verschleiß erkennen: Vom Röntgen bis zur Computertomographie

Die zuverlässigste Methode, innere Defekte und Verschleiß zu erkennen, ist die zerstörungsfreie Prüfung. Dabei wird der Akkumulator untersucht, ohne ihn zu öffnen oder zu beschädigen.

Liefert zweidimensionale Bilder des Inneren. Grobe Defekte wie Fremdpartikel oder stark verformte Elektroden werden sichtbar. Für eine detaillierte Analyse reicht diese Methode jedoch oft nicht aus.

Die Goldstandard-Methode. Durch die Kombination vieler Röntgenaufnahmen entsteht ein dreidimensionales Bild. Selbst feinste Risse, Dendritenwachstum oder Unregelmäßigkeiten werden erkennbar – bevor die Zelle beeinträchtigt oder defekt wird. Die Schadensbilder aus der CT-Analyse zeigen präzise, wo Probleme entstehen.

Industrielle CT-Systeme eignen sich hervorragend für die Qualitätssicherung. In Deutschland bietet die Microvista GmbH – ein Schwesterunternehmen der NetCo Professional Services – solche Prüfungen als Dienstleistung an.


Praxisbeispiel: Wie NetCo Probleme vermeidet

Als einer der wenigen deutschen Hersteller im professionellen Segment hat NetCo ein mehrstufiges Sicherheitskonzept entwickelt:

  • ✓ Vor dem Einbau: Jeder Akkumulator durchläuft drei Prüfstationen – beim Zellhersteller, beim Wareneingang in Blankenburg und nochmals vor der Montage. Bei Bedarf können Stichproben per CT durchleuchtet werden, um Schadensbilder frühzeitig zu erkennen.
  • ✓ Im Betrieb: Ein integriertes Batteriemanagementsystem überwacht die Zelle kontinuierlich. Ladestrom und Temperatur werden dokumentiert, auffällige Werte erkannt, bevor Probleme entstehen.
  • ✓ Nach der Auslieferung: Im Rahmen von Refurbishing-Vereinbarungen werden Geräte regelmäßig gewartet. Akkumulatoren mit Verschleiß werden sukzessive ausgetauscht. So wird sichergestellt, dass die Körperkamera auch nach Jahren im Dauereinsatz zuverlässig funktioniert und als Beweismittel geeignet bleibt.

Das Ergebnis: Bei den langjährigen Kunden – darunter Polizeibehörden und Verkehrsunternehmen in ganz Deutschland – sind keine sicherheitsrelevanten Vorfälle aufgetreten.


Fazit: Ähnliche Probleme sind vermeidbar

Die Vorfälle bei der Polizei in NRW, der Polizei in Baden-Württemberg und der Polizei in Sachsen-Anhalt zeigen: Das Thema verdient mehr Aufmerksamkeit. Wegen Akkuproblemen mussten Geräte eingezogen werden – in mehreren Fällen unter anderem aufgrund auffälliger oder aufgeblähter Akkumulatoren –, doch ähnliche Probleme lassen sich durch konsequente Qualitätssicherung vermeiden.

Für Beschaffer bedeutet das: Nicht nur auf Features und Preis achten, sondern auch fragen, wie der Hersteller mit Verschleiß und Qualitätskontrolle umgeht. Prüfen Sie, ob die Körperkamera für den Dauereinsatz geeignet ist und ob Aufnahmen als Beweismittel dienen können. Denn am Ende geht es um das Vertrauen der Einsatzkräfte in ihre Ausrüstung – und um ihre Sicherheit.


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